›Der Pfälzer in Amerika‹ digital zugänglich.
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Anders als im Jahr 1884 können heute Nachrichten oder Klatsch und Tratsch aus der Heimat in Sekundenbruchteilen um die Welt reisen. Was jetzt mit einem Wimpernschlag bei Freunden und Verwandten ankommt, wurde vor über 140 Jahren für ausgewanderte Pfälzerinnen und Pfälzer gesammelt und als Wochenzeitschrift ›Der Pfälzer in Amerika‹ von dem aus Edenkoben stammenden Verleger Conrad Voelcker in New York an die interessierte, abonnierende Leserschaft verteilt. Nachrichtenwert hatte alles: Geburten, Heiraten und Todesfälle, Fabrikgründungen und Bankrotte, Grundstücksverkäufe oder -versteigerungen, entlaufene Mägde und Knechte, Schlägereien vor Gaststätten, Überfälle, Hausbrände oder schlicht das kuriose Wettessen, bei dem der Wettkandidat zwar weit hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt, aber am Ende fröhlich bestätigt, wenigstens satt geworden zu sein.
Doch auch neben solchen Mitteilungen aller Art stellt die in 34 Jahrgängen von 1884 bis 1917 erschienene Wochenzeitung für die interessierte Leserschaft und auch für die wissenschaftliche Forschung eine einzigartige Quelle der pfälzischen Migrations-, Sozial- und Alltagsgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dar. Ihre Werbeanzeigen erzählen von einer regen Wirtschaft, die sich die ausgewanderten Pfälzerinnen und Pfälzer fernab ihrer Heimat aufgebaut hatten. Zudem fasziniert, wie das Deutsch-Pfälzische mit dem Englischen in manchen Artikeln ein Amalgam eingeht. Ebenso aufschlussreich bleibt das Selbstverständnis der Ausgewanderten: eine reichhaltige Mischung aus Pfälzern, Deutschen, Amerikanern – und doch auch dem bayerischen Königshaus ergebenen Untertanen.
Das IPGV ist die einzige Institution, die beinahe alle Jahrgänge des ›Pfälzers in Amerika‹ im Original besitzt. Aufgrund des äußerst schlechten Erhaltungszustandes des dünnen, zerbrechlichen Zeitungspapiers können diese Originale nicht mehr der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, ohne den Bestand selbst zu gefährden. Deshalb werden nach und nach alle Jahrgänge professionell restauriert und dabei auch digitalisiert. Diese Digitalisate der bereits restaurierten Jahrgänge können nun auf der Plattform Digitale Sammlung des IPGV eingesehen werden. Zukünftig ist auch eine Erschließung der einzelnen Jahrgänge durch Texterkennung (OCR) geplant.