Vorwurf der Homosexualität: Verbrennung des elsässischen Adligen Richard Puller von Hohenburg und seines Geliebten Anton Mätzler um 1482 (Illustration aus der „Großen Burgunderchronik“)

Ausstellungsprojekt “NANU? Geschlechtliche Vielfalt in der Pfalz. Gestern und heute”

Ausstellungsorte 2022: Schifferstadt (April 2022), Speyer (Mai bis August 2022), Mannheim, Mainz (Daten folgen)

Projektträger

Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde (Kaiserslautern), Stadtarchiv- / Stadtmuseum und Historischer Verein Zweibrücken

Konzept, Recherchen, Texte

  • Dr. Charlotte Glück, Stadtmuseum Zweibrücken

  • Dr. Sabine Klapp, IPGV Kaiserslautern

  • Wolfgang Knapp M.A., Kulturwissenschaftler

  • Dr. Christian Könne, Historiker

Beschreibung

Es dauerte über einhundert Jahre, bis der 1872 ein­ge­führ­te, men­schen­verachtende § 175 StGB, der männliche Homosexualität kriminalisierte, im Jahre 1994 endgültig und ersatzlos gestrichen wurde. Seit 2017 gibt es die „Ehe für alle“. Gleichgeschlechtlich liebende Frauen und Männer können nunmehr heiraten wie heterosexuelle Paare auch. Außerdem wurden die früheren Verurteilungen schwuler Männer laut § 175 StGB aufgehoben. Tausende homosexueller Justizopfer erfahren damit eine späte Rehabilitation, teilweise auch eine Ent­schädigung.

Die positive rechtliche Entwicklung entspricht jedoch noch nicht einer gesellschaftlichen Gleichstellung: Bis heute existieren in der Gesellschaft, den Medien und in der Schule aufgrund mangelnden Wissens vielfältige Vorurteile und unrealistische Vorstellungen vom Leben lesbischer, schwuler, bisexueller, trans- und intergeschlechtlicher Menschen.

Die Themen „lesbisch-schwul-bi-trans-intergeschlechtlich-queer“ (LSBTIQ) erleben derzeit einen intensiven Diskurs. Doch sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ist kein neues Phänomen, sondern existiert schon immer und überall. Jede Region hat dazu ihre eigene Geschichte, die jedoch bisher kaum erforscht ist. Die Wanderausstellung „NANU?*“ beleuchtet die Entwicklungen und regionalen Besonderheiten in der Pfalz.

Das Projekt ist eine Spurensuche zu historischen Entwicklungen und zur Alltagskultur – von der Verfolgung bis zur Emanzipation. Da Wissen Akzeptanz schafft, trägt die Ausstellung durch Aufklärung zum Abbau von Ablehnung und Ausgrenzung sowie zur Entwicklung eines offenen und respektvollen Umgangs miteinander bei.

*NANU war der Name einer queeren Diskothek in Kaiserslautern, die in den 1980er und 1990er Jahren Gäste aus dem ganzen südwestdeutschen Raum anzog, darunter auch viele US-Amerikaner_innen.
 

Koordination und Ausstellungsweitergabe

Dr. Sabine Klapp

Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde Kaiserslautern
Benzinoring 6
67657 Kaiserslautern
Telefon: 0631 / 3647-300
E-Mail: s.klapp@institut.bv-pfalz.de  oder info@institut.bv-pfalz.de

Die Ausstellung will durch Aufklärung zum Abbau von Ablehnung und Ausgrenzung sowie zur Entwicklung eines offenen und respektvollen Umgangs miteinander beitragen. Sie ist ein Kooperationsprojekt von Historischem Verein Zweibrücken, dem IPGV Kaiserslautern und dem Stadtmuseum Zweibrücken. Entstanden ist sie im Rahmen des Landesaktionsplans „Rheinland-Pfalz unterm Regenbogen“ und der „Partnerschaft für Demokratie Zweibrücken“ und steht unter der Schirmherrschaft der rheinland-pfälzischen Staatsministerin Anne Spiegel.