Bräuche und Feste im Jahreslauf: Der Pfingstquack
Der fünfte Teil unserer Reihe
Das Pfingstfest war bereits in früheren Jahrhunderten von Brauchhandlungen umrahmt. In der Pfalz, besonders im Westrich, hat sich in manchen Orten ein Heischebrauch* herausgebildet, der bis heute gepflegt wird.
„Am 2ten Pfingsttage treten die jungen Burschen zusammen und hüllen Einen unter sich in blühenden Ginster ein, schmücken ihn mit einer Blumenkrone und führen ihn so vor die Häuser der reichen Bewohner. Indem sie den sogenannten Quack paarweise abgehen, singen sie ff. Lied:
Dem Stab aus, dem Stab aus, im Winter zeiht der Jäger aus.
Feyer in den Blumen, bringet aus den Suhmen.*
Ri, ra, ro, von heut über 1 Johr, do simmer wiederum do.“*
So beschreibt der Kantonsarzt Franz Josef Heusler in den „Sonderberichten der pfälzischen Kantonsärzte von 1861“ den Pfingstquack im Landeskommissariat Landstuhl. Bei diesem handelte es sich um einen in bis zur Unkenntlichkeit mit Blumen, Hecken oder Zweigen eingekleideten Jugendlichen, der in Begleitung der Dorfjugend gabenheischend durch die Ortschaften zog. Auch in weiteren Ortschaften war der Quack damals bereits unterwegs und gehörte an Pfingsten zum festen Bestandteil des dörflichen Lebens.
Schriftliche Belege für das Auftreten des Quacks lassen sich bereits für den Beginn des 17. Jahrhunderts ausmachen, beispielsweise in einer Rüge eines Pfarrers bei Zweibrücken, der sich 1624 über die Gepflogenheiten der Dorfjugend an Pfingsten beklagt.* Der Speyerer Historiker und Archivar Ludwig Schandein benannte in der landes- und volkskundlichen Untersuchung des Königreichs Bayern „Bavaria“ Mitte des 19. Jahrhunderts den Quack des Westrichs als „üblich im Holzlande bei Waldfischbach, auf der Sickinger Höhe, im sogenannten Bruch und in der Bliesgegend“.* Der Quack erschien in Form einer Gestalt, die von Blättern und begrünten Zweigen verhüllt war und entweder zu Fuß, zu Pferd oder auf dem Wagen am Pfingstmontag unterwegs war. Die ihn begleitenden Kinder und Jugendlichen trugen dabei den Heischespruch oder das sogenannte „Quacklied“ vor. Eine Variante auf der Sickinger Höhe lautete: „De Strauß wolle m‘r fände; quack, quack aus, drei Eier eraus, sechs in die Pann, e halb Dutzend wolle m‘r han, e halb Pund Speck, eher geh‘mer net vor der Hausdär ewegg!“*
Je nach Ortschaft konnten also sowohl die Sprüche als auch die Gestalt des Pfingstquacks variieren. Abschließend teilte man die Gaben untereinander auf oder verzehrte sie gemeinsam.
Die Herleitung des Namens „Quack“ wird in der Literatur unterschiedlich dargestellt. Schandein vermutete beispielsweise den „Ausdruck frischen Lebens, von queck“.* Diese Ansicht wurde auch noch von Sprachforschern des 20. Jahrhunderts geteilt, wonach „der Charakter und das Aussehen der Gestalt den Ausschlag für den Namen“* gaben. Eine weitere Deutungsmöglichkeit bot die mundartliche Bezeichnung eines Nachzüglers oder Langschläfers als „Quack“,* als welcher derjenige benannt wurde, der als letzter zum Pfingstritt eintraf.* Namensvarianten wie „Pfingstbutz“ oder „Pfingstlümmel“ sind ebenfalls in einigen Ortschaften geläufig.
Der Quack war allerdings auch nicht der einzige bekannte Brauch in der Pfalz, der mit Pfingsten in Verbindung stand – man denke an Bräuche, die auf rechtlichen Gegebenheiten basierten, wie den Dürkheimer Käskönig oder die weit über die pfälzischen Grenzen hinweg bekannte Deidesheimer Geißbockversteigerung. Diese findet bis heute am Dienstag nach Pfingsten statt und wurde mittlerweile in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes (Deutsche UNESCO-Kommission) aufgenommen wurde.*
Unser Foto-Fundstück „Pfingstquack in Dimbach“ aus der IPGV-Sammlung entstand 1991 im Rahmen des Projekts „Feste und Festbräuche in der Pfalz“. 1992 ist die dazugehörige Publikation unter der Herausgeberschaft von Jürgen Keddigkeit im IPGV-Verlag in der Reihe „Beiträge zur Pfälzischen Volkskunde“ erschienen. Das mittlerweile vergriffene Werk kann auf der IPGV-Website unter sammlung.pfalzgeschichte.de kostenlos heruntergeladen werden.
Barbara Schmidt M.A.