August Becker

Vor 75 Jahren: August Beckers Heimkehr in die Pfalz

Veröffentlicht am 10. Januar 2005
Zeichnung von August Becker mit buschigem Bart im Anzug.
Portrait August Becker

Ende Oktober 1930 lud der Pfälzerwaldverein zu einer Gedenkfeier für August Becker ein. Die Einladung lautete:

„Jetzt erst, nach der Befreiung unserer Pfalz, haben wir die Gebeine unseres Heimatdichters von Eisenach nach seinem Geburtsort Klingenmünster überführen können und dort im Bergfriedhof geborgen. Am Allerseelentag, dem 2. November 1930, vormittags 11 Uhr, sollen die Pfalz und die Pfälzer der Ruhestätte ihres besten Propheten die Weihe geben.“

Mit „Befreiung“ war der Abzug der französischen Besatzungstruppen gemeint. Die Pfalz war seit Dezember 1918 von französischen Truppen besetzt. Der Versailler Vertrag räumte ihnen das Recht ein, bis zum Jahre 1935 im Lande zu bleiben. Bis 1924/25 haben die Besatzungsbehörden versucht, die Pfalz und andere linksrheinische Gebiete vom deutschen Staat zu lösen. Doch danach gingen der französische Ministerpräsident Briand und der deutsche Außenminister Stresemann neue Wege und strebten die Aussöhnung der angeblichen „Erbfeinde“ an. 1925 schlossen sie die Verträge von Locarno, im Juni 1930 räumten die Franzosen vorzeitig die Pfalz. Die Überführung der sterblichen Überreste August Beckers und seiner Frau Frida nach Klingenmünster war ursprünglich für 1928, zum 100. Geburtstag des Schriftstellers, geplant gewesen, doch man hat dann den Abzug der Franzosen abgewartet.

Photographie von August Beckers Grab, daneben steht ein Mann in Uniform und mit Pickelhaube, hinter ihm eine Versammlung von Trauergästen.
Grab von August Becker

An der Feier am 2. November 1930 nahmen die beiden noch lebenden Söhne August Beckers, Oberst Hermann Becker und der Arzt Dr. Karl August Becker, teil. Es war gekommen, was in der Pfalz Rang und Namen hatte, darunter der Regierungs-präsident Dr. Pfülf, der Präsident des protestantischen Landeskir-chenrats, Dr. Keßler und der Maler Max Slevogt. Fast alle Einwohner von Klingenmünster und viele Bewohner der Nachbarorte kamen zu der Feier. Man versammelte sich am Brunnendenkmal August Beckers und zog dann unter dem Geläut der Kirchenglocken zum Bergfriedhof. Der Staatsarchivdirektor Albert Pfeiffer hielt die Ansprache. Er sagte unter anderem:

„August Becker war der erste, der die Aufmerksamkeit auf die Pfalz und ihre landschaftliche Schönheit, auf ihre schicksalsreiche Geschichte, auf ihre Bewohner mit ihren Vorzügen und Schwächen gelenkt hat. … Das war seine prophetische Sendung. Sein Verdienst aber soll ihm ewig unvergessen sein.“

Nach dieser Würdigung der Verdienste August Beckers fuhr Pfeiffer fort:

„Sein Leben lang hat August Becker die Bitternis des Schriftwortes fühlen müssen, dass der Prophet nichts gilt in seinem Vaterlande. … Der Mann, der seine Pfalz mit liebender Treue abgeschildert und seine Pfälzer gelobt und gepriesen hat, musste es erleben, dass einem Werke gerade in der Pfalz kalte Gleichgültigkeit entgegenstand.“

Während der Besatzungszeit waren die Franzosen auch bestrebt gewesen, ihre Kultur in der Pfalz zu verbreiten. Die Berufung auf den deutschen Schriftsteller Becker diente deshalb auch zur Abgrenzung von den Ambitionen der Franzosen. Doch hatte die Rückbesinnung auf August Becker bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingesetzt. 1907 war das Brunnendenkmal in Klingenmünster errichtet worden, 1913 hatte der Pfälzerwaldverein Beckers Hauptwerk „Die Pfalz und die Pfälzer“ neu herausgebracht. In der 1920er Jahren erschienen dann Neuauflagen von August Beckers populärsten Romanen „Nonnensusel“ und „Hedwig“.

Dr. Gerd Fesser


Literatur und Quellen:

  • Fesser, Gerd: August Becker (Pfälzische Profile), Kaiserslautern 2005.

Schlagwörter des Beitrags
20. Jahrhundert Dichtung Literatur Gedenken

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